Hallo zusammen,

an dieser Stelle möchte ich Euch mal meinen BMW-Werdegang vorstellen, der sich kurioserweise auf das Baujahr 1987 beschränkt

Nachdem ich 1998 in der Fahrschule auf so wunderbaren Fahrzeugen wie Golf III oder Polo gelernt hatte, "durfte" ich anschließend erst einmal sechs Monate lang das Familienjuwel bewegen - einen leicht rostigen 1986er VW Passat CL als Schrägheck-Version mit 3-Gang-Automatik, angetrieben von 75 katlosen Pferdestärken. Dieses wundervolle Auto verließ uns leider Mitte 1999, unter anderem weil es die nächste TÜV-Prüfung nur durch Umschweißen der Fahrgestellnummer in ein anderes Auto bestanden hätte und Christian sich inzwischen genug Geld für ein eigenes Auto zusammengespart hatte. Aber was? Es musste unbedingt ein Auto mit "Ecken und Kanten" sein, und so zog ich eines Tages aus um Fahrzeuge wie Audi 80 (Typ 85), VW Passat (Variant - wennschon dennschon) oder halt alte BMWs zu inspizieren.
So stand ich dann schließlich auf dem Gelände eines Fähnchenhändlers vor einem schicken delphingrauen 318i E30 aus 2. Hand (Erstbesitzer BMW Werk Dingolfing) und hatte alle Produkte aus dem VAG-Konzern mit einem Mal vergessen.
Erstzugelassen 9/87, 102PS-M10-Motor mit Kat, Kilometerstand um die 120tkm, Schiebedach, Sevolenkung, Zentralverriegelung und äußerlich in perfektem Zustand. Wie ich später herausfinden sollte, handelte es sich um ein Editions-Modell, welches zur kommenen Modellüberholung (neudeutsch Facelift) ab Januar 1987 mit dem kleinen BMW Aerodynamikpaket, Shadow-Line-Lackierung, einem M-Technic-Fahrwerk und einem Lederlenkrad angeboten wurde.
Habt Ihr´s gemerkt? Ich schrieb "äußerlich perfekt". Natürlich konnte das nicht gutgehen und so durfte anschließend gut die Hälfte des Kaufpreises nochmal an Reparaturen reingesteckt werden. Gut möglich, dass die Werkstatt mich auch noch dabei ausgenommen hat, aber schließlich stand endlich mein Traumauto vor der Tür ...

 

Der Tuning-Wahn hat bei mir nie wirklich gegriffen und so kam es "nur" zu schwarz-blauen Sitzbezügen mit farblich passenden Schroth-Gurtpolstern und einem M-Streifen-Aufkleber für den Kühlergrill.

Leider sollte er nicht lange so aussehen - ein Abflug in die Leitplanken bei Eis und Schnee und später ein rammbockbewehrter japanischer Geländewagen besiegelten sein Schicksal - siehe links unten. Diesem Auto trauere ich noch heute hinterher ... Teile von ihm leben jetzt im eta weiter, doch soweit sind wir noch nicht.
Übrigens: Der Audi oben rechts auf dem Bild hat meinem kleinen Bruder gehört ... aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Wie es der Zufall wollte wurde kurz darauf im Kleinanzeigenteil der örtlichen Tageszeitung ein 316i, EZ 30.12.1987 angeboten. Farbe zinnoberrot, 80.000km, scheckheftgepflegt in 1.Rentner-Hand, wenngleich auch ohne jegliche Sonderaustattung (vom Beifahreraußenspiegel und den vier Türen mal abgesehen). Der Preis war mehr als günstig und so rief ich gleich morgens um halb sieben beim Frühstück die angegebene Telefonnummer an - nur um auf den Anrufbeantworter zu sprechen. Später war der Anschluß nicht mehr erreichbar, vermutlich kam ich zu spät. Zwar war ich in der Tat nicht der einzige Interessent, jedoch scheinbar der ... nun ja, sagen wir mal seriöseste, auf jeden Fall stand der Wagen zehn Stunden später dann doch in unserer Einfahrt.

 

Gebaut zwischen September 1987 und August 1988 handelte es sich bei diesem 316i eigentlich um einen 318i in der Karosserie des Facelift-Modells, erkennbar an den großen Kunststoffstoßfängern und den großen Rückleuchten. Um "Abstand" zum neuen 318i (mit 1,8l-M40-Motor) zu halten wurde so der 316i geschaffen (mit dem 1,8l-M10-Motor des Vorgängers). Im September 1988 wurde der 316i dann mit einem 1,6l-Motor gefertigt und so wieder zu einem "richtigen" 316i.

Doch genug von der Modellgeschichte, zurück zu meinem "Plastikbomber":
Vom Delphingrauen hatte ich unter anderem die sommerbereifen Alufelgen behalten und diese wurden als erstes monitert. Ebenso wie ein BMW Reverse RDS Radio, welches ich ursprünglich für den 318i gekauft, aber nie eingebaut hatte. Der Satz Nebelscheinwerfer war ein Muss, ebenso wie die sogenannte IS-Lippe, die schwarze Kunststoffleiste unten am Frontblech. Später kam ich günstig an einen großen Bordcomputer (BCII), der offiziell nie in den Vierzylinder-Modellen lieferbar war. Dementsprechend lustige Werte zeigte die Durchschnittsverbrauchsanzeige an - im Schnitt lag er 15,4l auf 100km. Später ersetzte ich den Codierstecker durch den eines 518iM10 (Baureihe E28), Ausführung Saudiarabien - dieser war für den Motor bei BMW noch lieferbar und zeigte erstaunlich genaue Werte an. Vor zwei Jahren schließlich fand sich zufällig ein Codierstecker für just den 316iM10 (BMW scheint sowas für ganz besondere Kunden wohl doch geliefert zu haben), ich musste aber feststellen, dass der Bordcomputer mit dem E28-Codierstecker doch wesentlich genauer anzeigte.

Die Karosserie war beim Kauf seinerzeit schon etwas angegriffen gewesen und nach jahrelangem Wintereinsatz hier im Sauerland wurde mir irgendwann klar, ein neuer E30 muss her.

Inzwischen hatte ich meine Liebe zu den VFL-Modellen, also den vor der 87er Modellüberholung gebauten Limousinen, wiederentdeckt und begann mich nach geeigneten 318i oder 325e Ausschau zu halten.
Nach einigen vergeblichen Fahrzeugbesichtigungen gab ich sogar eine Suchanzeige auf - was neben einigen Fahrzeugen im Naja-Zustand oder schlecht geschweißten Autos zu utopischen Preisen auch einen scheibar brauchbaren, smaragdgrünen, 2/87er 325e mit 129 PS hervorbrachte.

So kroch ich dann eines kalten Märztages dann im fernen Düsseldorf auf der vergeblichen Suche nach Rost und mit angeknackster Rippe unter und durch das Auto. Ich hatte mich vorher schon mal bei BMW schlau gemacht, mit welcher Ausstattung der Wagen seinerzeit ausgeliefert worden war:
Außenlackierung Smaragdgrün-metallic 182M
Polsterfarbe Piniengrün 0215
- 0314 Außenspiegel rechts, beheizt, inkl. beheizter Türschlösser und Waschwasserdüsen
- 0320 Entfall Modellschriftzug
- 0350 Wärmeschutzglas, grün
- 0400 Schiebe-/Hebedach, mechanisch
- 0428 Warndreieck und Verbandkasten
- 0481 Sportsitze
- 0520 Nebelscheinwerfer samt 2. Nebelschlussleuchte
- 0562 Innenspiegel mit Kartenleseleuchten
- 0663 Radio Bavaria C Electronic
- 0680 Antenne, manuell
- 0690 Cassettenhalterung
- 0704 M-Technik Fahrwerk
- 0708 M-Technik Lederlenkrad und –Schaltknauf

Im laufe der Jahre waren die diversen Vorbesitzer auch nicht untätig gewesen und hatten ihrerseits kräftig Sonderausstattung nachgerüstet:
- M-Technik 1 Aerodynamikpaket
- 15-Zoll-Kreuzspeichen
- Klimaanlage
- Reserverad-Benzinkanister
- Zubehör-Sonnenschutzrollo
- BCII
- exzentrische M3-Querlenkerbuchsen (sollen angeblich für besseren Geradeauslauf sorgen)
- Marderschutz-Zündkabelbaum (ratet mal warum)
Was mir allerdings nicht so gut gefiel, war das Blaupunkt-Sound-System, für das fußballgroße Löcher in das Blech unter der Heckablage geflext wurden ...

Die letzten zwei Jahre stand der eta dann allerdings mehr oder weniger in der Tiefgarage, 2004 wurde er wohl nur kurz für den TÜV an- und wieder abgemeldet. Und leider hatte er durch die lange Standzeit auch etwas gelitten:
Irgendein böser Mensch hatte das Beifahrertürschloss aufgebrochen um sich (erfolgreich) das Radio anzueignen und ein Marder hatte sich im Motorraum ausgetobt … Auch die Klimaanlage funktionierte nicht mehr, nach dem Tausch der Trocknerflasche (oder war es doch der Kompressor?) war sie nicht mehr befüllt worden und dem Marder waren Teile des Klimakabelbaumes zum Opfer gefallen. Ein Nebelscheinwerfer funktionierte nicht, die Gummidichtung der Heckscheibe zeigte an einer Stelle Auflösungserscheinungen und vom Teleskop der Automatikantenne war auch nicht mehr viel übrig geblieben. Vordere und hintere Mittelkonsole waren mit Löchern von verschiedenen Handy-Halterungen durchbohrt und beide Aschenbecher zugespaxt worden.
Das Bild oben zeigt den Wagen im damaligen Zustand, das untere den Wagen nach ein halbes Jahr später in meiner Obhut.

Nach der Probefahrt vier Wochen später, war die Entscheidung gefallen und der eta gekauft. Bis ich den Wagen zugelassen hatte vergingen nochmal vier Wochen, in denen ich alle Dichtungen der Karosserie ersetzt habe, der Nebelscheinwerfer funktioniert inzwischen wieder und den Bordcomputer habe ich komplett neu verkabelt und gegen einen US-BCII aus meinem Fundus ersetzt. Auf dem Schrottplatz konnte ich eine komplette unverbastelte Radioverkabelung samt manueller Antenne auftreiben. Die Sonderausstattung hat auch wieder ein klein bisschen zugenommen:
- BMW-Feuerlöscher am Fahrersitz
- Ausstellfenster
- Großer Werkzeugkasten
- Radio (vorläufig wieder) BMW Bavaria C Electronic
- Elektrische Fensterheber mit Komfortschaltung
- Elektrischer Schiebedachantrieb

 

 


Zum Saisonbeginn 2006 wurde das C Electronic durch ein C Exclusiv ersetzt, sowie Scheinwerferreinigungsanlage und Tempomat verbaut.
Seit Ende März 2006 ergänzt nun ein 318i im gleichen Smaragdgrün den Fuhrpark. Erstzugelassen im März 1987, wurde der Wagen jedoch bereits im September 1986 gefertigt und ist damit eins er ältesten noch exisiteren Fahrzeuge in dieser Farbe. Der Vierzylinder ist aus erster Hand und hat 99.500km gelaufen. Die Ausstattung beschränkt sich auf Nebelscheinwerfer, Styling-E30-Alufelgen (mit viel zu schmalen Winterreifen drauf), grünes Wärmeschutzglas, manuelles Schiebe-/Hebedach und Radiovorbereitung. Ohne das komplette Spoilerpaket etwas verloren wirkt dagegen der große M-Technic-Heckspoiler auf dem Kofferraumdeckel, vermutlich wurde er als "Peilsteg"/Einparkhilfe angebaut. Dieser Wagen ist inzwischen allerdings langzeiteingemottet und harrt der Dinge, die da kommen...

 

Um langfristig die Substanz der Karosserie zu erhalten, wird der eta auch bei nicht mehr im Winter gefahren. Den Winterdienst übernimmt jetzt ein Audi 80 - mit katlosen 75 PS!

...christian