touring

Der 3er touring* (1988-1994)

Bereits die Entstehungsgeschichte dieser Karosserievariante, welche es nur in Nachfacelift-Ausführung (erkennbar u.a. an größeren Heckleuchten und in Wagenfarbe lackierten Stoßfängern) geben sollte, ist außerordentlich interessant. Bevor BMW sich zu diesem Modell entschloss, hatten bereits der Karosseriebaubetrieb Luchjenbroers in den Niederlanden sowie der Hamburger BMW Händler Adolf Werner eigene touring-Interpretationen auf Basis des 3er E30 gebaut, wenn auch nur in kleinsten Stückzahlen. Doch erst der in Eigeninitiative - und eigentlich nur für den Privatgebrauch - entstandene „Familienkombi“ des Münchner BMW Mitarbeiters Max Reisböck überzeugte den BMW-Vorstand von den Chancen, eine touring-Variante wieder am Markt anzubieten.

So brachte BMW 16 Jahre nach der Einstellung des glücklosen 02 touring wieder ein "Heckklappenauto" auf den Markt. Der ausgesprochen attraktiv gestaltete 3er touring (E30/5) wurde Wegbereiter und Trendsetter für Lifestyle-Kombis in der unteren Mittelklasse und trug langfristig dazu bei, diese Modelle am Markt zu etablieren und deren Zulassungszahlen deutlich zu steigern.

Durch seine Variabilität und das elegante Design, verbunden mit sportiven Motoren und Fahreigenschaften macht dieses Auto auch heute noch weit mehr "Freude am Fahren" als andere zeitgenössische Vertreter dieser Fahrzeugkategorie. Andere Automarken haben erst nach dem Erfolg des E30 touring ein vergleichbares Modell herausgebracht oder die vorhandenen, eher nutzenorientierten Kombis durch begehrenswerte Nachfolger mit „touring –Eigenschaften“ ersetzt.
BMW unterstützte diese Entwicklung durch eine umfangreiche Werbekampagne, die das Fahrzeug und ein Paar meistens bei der Ausübung diverser Lifestyle-Sportarten zeigte und den Begriff „Kombi“ sowie jegliche Andeutung an eine gewerblich/handwerkliche Nutzung des Autos bewusst vermied.

Der touring wurde von 1988 bis 1994 angeboten und stellte somit nach dem Auslauf von Limousine (1990) und Vollcabrio (1993) die letzte im BMW Lieferprogramm verbliebende Karosserievariante des 3er E30 dar. Vom Frühjahr 1993 bis 1994 wurde er als Design Edition mit reduzierter Farbauswahl, aber exklusiver Ausstattung als 316i und 318i angeboten.

Doch nicht nur diese Modelle sind als Sammlerobjekte empfehlenswert, sondern generell Fahrzeuge mit hochwertiger Ausstattung, möglichst mit dem großen Sechszylindermotor als 325i oder 325iX. Von den insgesamt 103.704 in Dingolfing und Regensburg produzierten 3er touring sind nur noch wenige gut gepflegte Autos direkt zu erwerben, sie werden aber durch ihren relativ geringen Anteil von 5% an der E30-Modellreihe Raritäten werden.
Viele Fahrzeuge werden wegen ihrer zuverlässigen und überschaubaren Technik noch heute im Alltagsbetrieb eingesetzt, allerdings wird ihnen dabei leider nicht immer das wünschenswerte Maß an Pflege zuteil.
Die Investition in ein gutes Exemplar lohnt sich jedoch sicher.

Wirkliche Schwächen hat der touring kaum, sieht man von der etwas korrosionsanfälligen Heckklappe an der unteren Dichtung einmal ab. Hier muss man direkt eingreifen und kleine Roststellen ausbessern bzw. an den seitlichen vertikalen Fensterdichtungen die Blech-Kontaktflächen abdichten und defekte Gummidichtungen immer frühzeitig ersetzen.
Lohnend ist auch, nach einer Heckklappe der Modelljahre bis 1991 in Wagenfarbe zu suchen, denn diese entstammen noch deutscher Produktion und sind besser verarbeitet. Sonstige Kritikpunkte, wie empfindliche Fahrwerkslager, der korrosionsanfällige Abgasstrang oder die kurzlebige Leuchtweitenregulierung hat er mit den anderen E30-Varianten gemein.

Stoßen Sie mit Ihrem touring zu uns oder lernen Sie seine Qualitäten und mehr über das Auto bei uns kennen!

Holger Krack, Typreferent

* Falls Sie sich jetzt über einen offensichtlichen Rechtschreibfehler unsererseits wundern: Mit Ausnahme von Überschriften in BLOCKSCHRIFT, verwendete BMW in den offiziellen Verkaufsprospekten des E30 damals stets das Wort "touring" kleingeschrieben.

Fahrzeuggalerie E30 touring