Alpina B6 2.8 auf Basis E21 Alpina B6 2.8 auf Basis E30

Redet man in Fachkreisen über BMW Automobile so taucht mit Sicherheit auch der Name Alpina auf. Die kleine Manufaktur, mit Herstellerstatus seit 1983 aus Buchloe im Ostallgäu sorgte 1961 zum ersten Mal für Aufsehen!

Burkhard Bovensiepen, ein junger Maschinebauingenieur baut BMW 1500er Motoren um und stattet diese mit einer eigenen Weber- Doppelvergaseranlage aus. Die „Neue Klasse" hat nun Sportwagenattribute vorzuweisen und erfährt in der Fachwelt größte Anerkennung. BMW gibt auf die so ausgestatteten Aggregate die volle Werksgarantie- ein Novum in der Automobilbranche.

Paul G. Hahnemann (unvergesslicher Verkaufsleiter der BMW AG) selbst war über die Aktivitäten von Burkhard Bovensiepen nicht gerade unglücklich. BMW brachte 1963 den 1800er mit 15 PS mehr auf den Markt. Viele 1500er Kunden waren verärgert und Hahnemann war froh, dass Bovensiepen für den 1500er eine Weber-Anlage im Angebot hatte. Hahnemann zu Bovensiepen: „[…]verkauf Dei Alpina-Zeug, dann stehen bei mir wenigstens ein paar böse 1500er-Kunden weniger auf der Matte“[…]

Im Jahr 1965 wird die Firma Alpina Burkard Bovensiepen KG in Kaufbeuren gegründet. Zu Beginn des Jahres 1965 entwickelt und produziert man in Kaufbeuren mit einem sechsköpfigen Mitarbeiterstab Vergaseranlagen bis zu komplett bearbeiteten Zylinderköpfen, 1967 wird das Firmenlogo eingeführt. Eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte kann beginnen!

In Fachzeitschriften wurde in den 1960er Jahren mit ganzseitigen Anzeigen für die hauseigenen Produkte geworben. Ein BMW-Alpina 2002 kostete 1967 16.000.- Mark und hatte 150 PS vorzuweisen. Wer es noch ein wenig schneller wollte konnte auch 18.000 Mark investieren und bekam dafür 165 PS im 2002. Der 3er Vorgänger brachte es auf eine Höchstgeschwindigkeit von über 205 km/h. 7,2 Sekunden für den Sprint auf 100 war sensationell. Die Autos waren mit 5 Ganggetriebe ausgestattet, hatten ein Alpina Fahrwerk mit innenbelüfteten Bremsscheiben. Sportlenkrad und Schalensitze von Recaro inklusive.

Ab 1968 engagiert sich die Firma im nationalen und internationalen Tourenwagensport. Klangvolle Namen wie Jacky Ickx, Niki Lauda und natürlich Hans (Striezel) Stuck stehen auf der Gehaltsliste bei Alpina. Siege im Abonnement werden auf der Rundstrecke aber auch bei Berg und Rallyemeisterschaften eingefahren.

Obwohl sich Alpina im Motorsport sehr engagiert zeigt sind 90 Prozent der Aktivitäten für Privatleute reserviert. Bovensiepen-Kunden waren von jeher Automobilisten die noch etwas mehr „Freude am Fahren“ wollten wie es BMW selbst schon reichlich im Angebot hatte.

Im Jahr 1971 erhält Burkhard Bovensiepen von BMW die Projektleitung zur Konstruktion des berühmten Leichtbaucoupé 3.0 CSL übertragen. Er war es der die Idee zu diesen im Rennsport so erfolgreichen Autos hatte. Bei der Straßenversion konnte man die Handschrift dieses sagenhaften Autos nur an den bis heute markentypischen 20 Speichen Felgen erkennen. Kontinuität, Werte, mit Leidenschaft konstruieren und fertigen waren und ist der Erfolg von Alpina bis heute.

Mit dem B6 2.8 E21 folgt dann 1978 die erste Eigenkonstruktion mit einem aus den großen Limousinen bekannten Sechszylindermotor. Das Aggregat hat in seiner letzten Baustufe 218 PS und ein für damalige Verhältnisse sagenhaftes Drehmoment von 265 Nm bei 5000 Umdrehungen. Der Sprint auf 200 km/h gelang mit diesem Auto in nur 27 Sekunden!
Die Fahrzeuge waren zu Beginn mit einer sehr komplizierten Pierburg/Zenith DL Einspritzanlage ausgestattet. Dr. Hartig aus dem badischen Karlsruhe lieferte die vollelektronische Zündung die über einen Kleinrechner verfügte. Die Abnahme erfolgte direkt am Anlasszahnkranz über das Schwungrad. Später kam auch schon bei der 200 PS-Variante die deutlich weniger anfällige Bosch L-Jetronic in Verbindung mit einer AFT-Zündung zum Einsatz. Besonderheit dieser Zündanlage war, dass bis zu 8.000 Zündzeitpunkte speicherbar waren. Alpina war wieder einmal Vorreiter beim Einsatz hochkomplexer Technik! Die Hinterachse verfügte bei der 218 PS Variante über ein eigens für dieses Auto entwickelte Hinterachsgehäuse. Gut erkennbar an den beiden Achslager und der fächerförmigen Anordnung der Kühlrippen.
Auch wird 1978 die B7 Limousine mit 3.0 Liter Hubraum, Turbolader und 300 PS vorgestellt. Der B7 war zu dieser Zeit die schnellste Limousine der Welt! Später folgte der B10 Biturbo, auch dieses Auto markierte die absoluten Bestwerte des Machbaren unter Berücksichtigung der Alltagstauglichkeit und Standfestigkeit.

BMW stellte im Jahr 1978 die E21 Limousine mit dem neu konstruierten M20 Sechszylindermotor vor. Auf Basis dieses M20 B23 lancierte Alpina den C1 2.3. Dieses Aggregat wurde 1980 eingeführt und hatte eine Leistung von 170 PS. In der Zeit von April 1980 bis Juli 1983 wurden 462 Exemplare gebaut. Später gab es diese Motorvariante auch in der neuen E30 Baureihe bevor die Variante C1 2.5 das Licht der Welt erblickte. Bei diesem Motor wurde eine Leistung von 190 PS erreicht, gebaut wurden gerade einmal 50 Stück.

Im April 1986 wurde der BMW Alpina C2 2.7 vorgestellt. Diese Fahrzeuge auf E30 Basis wurden über alle Modellvarianten angeboten und hatten eine Leistung von anfangs 210 PS ohne Katalysator. Nach Einführung der alpinaeigenen Katalysatortechnik waren es bis Bauende immerhin 204 PS bei 6000 Umdrehungen und stattliche 265 Nm (bei 4.800 U/min) Drehmoment. Mit den genannten Eckdaten erreichte man Geschwindigkeiten bis 230 km/h und Beschleunigungswerte die im Sportwagenbereich zu suchen waren!


Motor Alpina B3 2.7

Bereits ab 1985 hatte Alpina den B6 3.5 im Angebot. Diese Variante basierte auf dem legendären M30 Motor und mobilisierte sage und schreibe stolze 261 PS. Mit Katalysator wurde im Zuge der Anpassung an diese neue, erforderliche Technik die Leistung auf 254 PS gedrosselt. Gebaut wurden von diesem Hochleistungsdreier inklusive der 2.8 Liter Variante exakt 478 Stück.

Das absolute Highlight der gesamten Baureihe wurde im November 1987 von den Tüftlern aus dem Ostallgäu vorgestellt. Diese Kreation hörte auf den Namen B6 3.5S und wurde auf Basis des M3 gebaut. Von dieser 2-türigen Limousine gab es ursprünglich exakt 62 Stück. In Sammlerkreisen erzielt diese Variante zwischenzeitlich Höchstpreise!

Nicht vergessen darf man den Z1 von BMW. Von diesem Technologieträger wurden bei BMW insgesamt 8000 Stück montiert. Alpina brachte es zwischen August 1990 und September 1991 auf exakt 66 Stück die auf den Namen RLE (Roadster Limited Edition) hörten. Motorisiert wurden diese Sportwagen, deren Türen versenkbar waren mit der BMW M20 Variante. Bei Alpina wurde der Motor C2/2 überarbeitet und heißt im Z1 C2/6. Technisch unterscheidet sich diese Variante durch eine überarbeitete Ventilsteuerung. Bedingt durch diesen Eingriff hat der Roadster bei 2.7 Liter Hubraum exakt 200 PS und 261 Nm Drehmoment bei 4900 Umdrehungen pro Minute. Mit diesen Maßnahmen eliminierte Alpina die Vibrationen beim C2 Motor. Die Ingenieure aus Buchloe wirkten damit der etwas labileren A-Säulenkonstruktion dieses hervorragenden Sportwagens entgegen. Geht man heute zu Alpina und lässt sein 2.7 Liter Aggregat überholen so kommt auch bei der Limousine und beim Cabrio diese Nockenwelle zum Einsatz. Der Leistungsverlust von 4 PS ist nur nominal, auf die Fahrwerte hat das keinen Einfluss dafür hat man einen Zugewinn an Komfort.


Alpina B3 2.7

Viele Eigenentwicklungen folgten und das nicht nur auf dem Motorensektor. Alpina konstruierte als erster Automobilhersteller ein automatisches Kupplungsmanagement, die shift-tronic für ein manuelles Sechsganggetriebe war geboren. Mit der switch-tronic wurde wenig später beim B12 Coupé das Schalten am Lenkrad beim Automatikgetriebe eingeführt. Auch da war Alpina Pionier einer ganz neuen Ära! Beheizte Katalysatorsysteme wurden entwickelt und eingeführt, auch die mechanische Aufladung wurde in Buchloe konzipiert und in den neuen B5/B7 Fahrzeugen realisiert. Das Gehäuse dazu wird in Buchloe auf modernsten CNC Maschinen gefertigt.

Kommt man heute mit einem alten Alpina nach Buchloe um Rat zu erfragen stößt man bei den Pionieren aus dem Allgäu stets auf offene Ohren. Sie bauen alte Aggregate mit Passion wieder auf und helfen die Mobile Tradition zu bewahren. Hat man dann noch das Glück eine Führung durch die feine Manufaktur zu erhalten schwebt man mit Sicherheit im siebten Alpinahimmel! Leider gehören Stückzahlen von maximal 600 Stück pro Modellreihe in der Zwischenzeit der Vergangenheit an - der Wandel der Zeit ging auch an Buchloe nicht vorüber.

Alpina Varianten und Produktionsstückzahlen der 3er Reihen E21/E30 sowie RLE

Bezeichnung Basis Motor PS Nm/rpm ccm Bauzeit Stückzahl
RLE Z1 C2/6 200 261/4900 2693 8/90-9/91 66
C1 2.3 E21 C1 170 210/4500 2316 4/80-7/83 462
C1 2.3/1 E30 C1/1 170 225/5000 2316 8/83-11/85 35
C1 2.5 E30 C2/3 190 235/5000 2494 10/86-7/87 50
C2 2.5 E30 C2 185 265/4800 2554 7/86-11/86 74
C2 2.7 E30 C2/1 210 267/4500 2693 4/86-7/87 108
C2 2.7 Kat. E30 C2/2 204 245/4800 2693 4/87-7/87 52
B3 2.7 Kat E30 C2/2 204 265/4800 2693 8/87-5/92 257
B6 2.8 E21 B6 200 248/4500 2788 03/78-8/81 324
B6 2.8 E21 B6 218 265/5000 2788 9/81-1/83 209
B6 2.8/1 E30 B6/2 210 280/5000 2788 3/84-7/86 259
B6 3.5 E30 B10/2 261 346/4000 3430 11/85-7/87 92
B6 3.5 Kat. E30 B10/3 254 320/4000 3430 8/86-7/87 40
B6 3.5 Kat. E30 B10/5 254 320/4000 3430 11/87-12/90 87

B6 3.5 S Kat. E30 B10/5 254 320/4000 3430 11/87-12/90 62

Der "Arbeitsplatz" des Fahrers in einem Alpina B3 2.7

Manfred Laufer